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Audioguide NOREGR

1. Einleitung

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Herzlich willkommen in der Ausstellung NOREGR – Geschichten aus dem Mittelalter.  

Hier treffen Sie den Ritter, den Narren – und den Koch. Gemeinsam mit anderen archäologischen Funden erzählen sie vom historischen Norwegen aus der Zeit von 1000 bis 1500 nach Christus. In diesen Jahrhunderten nach der Wikingerzeit treffen nordische Traditionen, Christentum und antike Kultur aufeinander. Impulse aus Europa verändern Kultur und Gesellschaft und stellen die Weichen für das Norwegen, wie wir es heute kennen.  

Menschen treffen sich auf dem Marktplatz, in der Kirche und im Bierhaus. Was kocht im Topf und was wird in den Trinkbecher gefüllt? Im Mittelalter erhält die Esskultur neue Impulse aus dem Nahen Osten und aus Mitteleuropa. Lokale Rohwaren vermischen sich mit dem Duft von Gewürzen, insbesondere in den Städten. Deutsche und englische Händler liefern Luxusgüter aus fernen Ländern und sorgen für eine stabile Versorgung mit Roggen, Malz und Bohnen.  

Einiges von dem, was Sie in der Ausstellung sehen, wurde in den letzten Jahren in Oslo gefunden. Wir haben durch Untersuchungen von Töpfen, tierischen Knochen und Pflanzen, die in der Stadt gefunden wurden, neue Erkenntnisse über die Küche des Mittelalters gewonnen, aber auch durch das Ausprobieren alter Rezepte und Techniken.  

Um mehr über das Leben im Mittelalter zu erfahren, wählen Sie die Zahlen mit dem Audioguide-Zeichen. Weitere Informationen über die Esskultur des Mittelalters finden Sie, wenn Sie die QR-Codes herunterladen. Wenn Sie Fragen zum Audioguide haben, wenden Sie sich einfach an eine Aufsicht.  

Wir wünschen Ihnen viel Spaß in Noregr!

2. Norwegen in Europa

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Der Ritter – ein Stück Europa in Norwegen

Dieser kleine Ritter kam in Bjørvika zum Vorschein, als 2015 die Bahnschnellstrecke Follobanen in Oslo gebaut wurde. Wir wissen nicht, ob er ein Spielzeug ist oder vielleicht ein Souvenir, dass jemand aus dem Ausland mitgebracht hat. Sicher ist jedoch, dass auch Norwegen von der europäischen Ritterkultur des Mittelalters beeinflusst war. Die Figur besteht aus Zinn und stammt vermutlich aus dem Zeitraum zwischen 1250 und 1350. Eine ähnliche Figur wurde in London gefunden. 

Im Jahr 1277 beschließt König Magnus Lagabøte, Magnus der „Gesetzesverbesserer“, dass einige Männer aus der königlichen Leibgarde als Ritter bezeichnet werden sollten. Die Ritter sind die treuen Kämpfer des Königs zu Pferd. Sie stehen im Dienste Gottes und der Gesellschaft und sind außerdem wichtige Vorbilder. Ein Ritter ist tapfer, gebildet und beherrscht. Auch wenn er sich verliebt. Er muss überlegt und ritterlich handeln. Er verhält sich höfisch oder höflich, d. h. „wie es sich bei Hofe geziemt“.

Die ritterlichen Ideale verbreiten sich durch Kunst, Literatur und Musik, aber auch durch Kreuzzüge und Eheschließungen zwischen Königshäusern und Adelsfamilien in Europa. 1299 heiratet Håkon, der Sohn von Magnus Lagabøte, Euphemia von Rügen. Königin Euphemia bringt ihr großes Literaturinteresse nach Norwegen mit. Am Hof in Oslo wird aus europäischen Ritterromanen vorgelesen. Von einigen europäischen Erzählungen lässt Euphemia auch Nachdichtungen auf Schwedisch anfertigen.

3. Handwerk auf Wanderschaft

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Steine von Gebäuden im mittelalterlichen Oslo

Handwerker und Wissen wandern von Land zu Land. So gelangen neue Bauweisen nach Norwegen. Hier sehen wir die Überreste von zwei Steingebäuden in Oslo. Wer möchte, darf diese Steine gerne anfassen! Das Kapitell, das heißt, das obere Ende der Säule, stammt aus dem Kloster Hovedøya im Oslofjord. Es zeigt die Verbindungen, die zwischen dem europäischen Mittelalter und der Architektur der Antike bestanden. In Skandinavien verwendeten die Handwerker in der Wikingerzeit häufig Schlangen und Fabeltiere als Motiv. Im Mittelalter kommen dagegen Pflanzen in Mode. 

Der andere Stein gehörte vermutlich zur St. Hallvards-Kathedrale, deren Ruinen wir noch heute in der Osloer Altstadt sehen können. Es ist ein sogenannter Schlussstein, der die Bögen einer Gewölbedecke verbindet. Baumeister sind zu dieser Zeit bereits in der Lage, hohe, bogenförmige Kreuzgewölbe zu errichten. Hierdurch entsteht eine neue Akustik, d. h. ein neuer Klang, im Kirchenraum. Ein Schlussstein kann an der Unterseite verziert sein, da er oben an der Decke ja eigentlich von unten gesehen wird. Hier in der Ausstellung steht er jedoch auf dem Kopf.

In Oslo und im übrigen Norwegen sind die meisten Kirchen in dieser Zeit aus Holz gebaut. Ein solides Steingebäude verschafft seinem Besitzer aber mehr Respekt – z. B. dem König oder dem Bischof. Neue Ausgrabungen in Oslo zeigen auch, dass viele andere Häuser in der Stadt Keller hatten, die aus Stein gebaut waren. 

Unter der Nummer 31 wird noch mehr über die Arbeit von Steinmetzen erzählt.

4. Kraftvolle Ringe

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Ringe sind nicht nur schön, ihnen wurden auch verborgene Kräfte nachgesagt 

Daran glaubten die Menschen im Mittelalter. Dinge in der Natur können die Zukunft beeinflussen, und ein schöner Schmuck am Finger oder Hals kann seinem Träger oder seiner Trägerin helfen. Die Kräfte des Rings oder der Halskette richteten sich nach dem Stein und seiner Farbe, seinem Glanz und seiner Form. Ein blauer Saphir verleihe Tugend und kühle innere Hitze, schrieb beispielsweise ein mittelalterlicher Steinkundiger. Der Goldring mit blauem Saphir war möglicherweise eine bewusste Wahl zur Verlobung? Ringe konnten auch verwendet werden, um Bündnisse zu besiegeln. Auf der Rückseite des Goldrings mit dem Bergkristall ist ein Händedruck in das Metall eingraviert.

Eingravierte heilige Namen, Worte oder Gebete machten ein Schmuckstück ganz besonders kraftvoll. Auf dem silbernen Ring mit dem weißen Stein steht „Ave-Maria Gratia Ple“, das heißt „Gegrüßest seist du, Maria, voller Gnade“. Die Buchstaben bestehen aus der Legierung Niello, einem Gemisch aus Silber, Blei und Kupfer. Der Stein besteht aus dem Mineral Chalcedon. Ihm wurde nachgesagt, Depressionen, Melancholie und Schwäche zu lindern. Der Ring wurde 1868 in den Ruinen der Marienkirche in der Osloer Altstadt gefunden. Wir wissen, dass Witzlav von Rügen, der Vater von Königin Euphemia, hier begraben liegt. Er besuchte Oslo an Weihnachten im Jahr 1302, erkrankte und starb am ersten Weihnachtsfeiertag. Könnte es sein Ring sein? 

5. Kleidung schafft Identität

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Mittelalterliche Skulpturen und Gemälde zeigen oft kostbar gekleidete Menschen, die über Macht und Reichtum verfügen. Sie können sich Seide, schön gefärbte Wolle und dünnes Leinen leisten. Die Kleidung einfacher Leute ist dagegen häufig selbstgemacht und wird immer wieder geflickt. Die Farben Rot, Blau, Gelb und Grün stammen von Pflanzen oder Insekten. Aber auch aus Wolle in natürlichen Farbtönen lassen sich schöne Muster weben. 

Norwegens einzige erhaltene Gugel, eine kapuzenähnliche Kopfbedeckung mit langem Zipfel, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Moden verbreiten. Die Gugel wurde auf dem Kopf eines Mädchens gefunden, das unter dem Boden der Stabkirche von Uvdal begraben war. Die Gugel aus Uvdal wirkt selbst genäht. Von den wohlhabenden, modebewussten Kreisen in Europa hat sich die Idee Ende des 13. Jhs. schnell verbreitet. Die Länge des Zipfels, Stoff und Farbe variieren. In Island legt der Bischof später die Maße für die Gugel von Priestern fest: Nicht mehr als einen halben Meter lang und höchstens zwei Finger breit! 

In der Vitrine sind auch die Reste eines Plisseekleides zu sehen. Diese Mode kommt im 12. Jh in den Städten auf und erfreut sich für die nächsten hundert Jahre großer Beliebtheit. Knöpfe ermöglichen ab dem späten 14. Jh. Kleidung mit enganliegenden Schnitten, ein weiteres Modephänomen. König Håkon V. verbietet den Menschen, teure Kleidung zu tragen, um ihren Reichtum zur Schau zu stellen. „Es nützt diesem armen Land wenig“, erklärt er Anfang des 14. Jhs.

6. Freie Männer müssen Waffen besitzen

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Waffen – und Waffengesetze 

Die Gesetze schreiben vor, dass freie Männer, je nachdem, wie wohlhabend sie waren, Waffen besitzen müssen. Einfache Leute müssen Schilde und Speere, Schwerter oder Äxte haben, so legt es das Landslov, d. h. das norwegische Landrecht, von Magnus Lagabøte fest. Die Wohlhabendsten müssen auch Stahlhelme besitzen. Nach den Vorschriften für die Hird, d. h. die königliche Leibgarde, muss die Wache des Königs auch „Schwerter“ besitzen und „Buckler“, das heißt kleine runde Faustschilde. Außerdem müssen die Wachleute Eisenhüte, d. h. Helme, und Speere haben – in Kriegszeiten müssen sie dagegen voll bewaffnet sein“. Ein „Hirdmann“, das heißt ein Mitglied der Leibgarde des Königs, musste außerdem einen „Panzer oder ein Kettenhemd“ haben. 

Alljährlich müssen die Bauern bei einer besonderen Waffenversammlung, dem „Waffen-Thing“, erscheinen, um ihre „Volkswaffen“ vorzuzeigen. Diese Waffenschau findet im Februar im ganzen Land statt. Wer nicht erscheint, muss eine Geldbuße zahlen: 1 Silber-Øre und eine weitere Øre für jede fehlende Waffe.

Der Helm links ist im Mittelalter in der norwegischen Oberschicht üblich. Dieses Exemplar ist allerdings besonders gut verarbeitet. In Norwegen gibt es nur wenige, die vom Pferd aus kämpfen. Die meisten kämpfen als Fußvolk. Hierbei gibt es auch Gefahren von oben: durch Schwerthiebe, abgeschossene Pfeile oder Steine, die von Burgen oder Festungen geworfen werden. Deshalb ist eine breite Krempe wie bei dem Helm rechts sehr sinnvoll: Sie schützt Nacken und Schultern. 

7. Handel und Religion verbinden Norwegen mit dem übrigen Europa

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Handel und Religion verbinden Norwegen mit dem übrigen Europa  

Die deutschen Kaufleute der „Hanse“ dominieren den Handel in Nordeuropa. Von Bergen und Norwegen stechen vollbeladene Segelschiffe in See. Sie transportieren Fisch, aber auch Butter und Holz. Mit Roggen, Textilien und Wein kehren sie wieder zurück.  

Mönche und Nonnen aus dem Ausland gründen Klöster in Norwegen. Das Allererste lag vermutlich auf Nidarholm in der Nähe von Trondheim, das Kloster Hovedøya wurde im Jahr 1147 gegründet. Das Klosterleben sollte einfach sein. Diese Bodenfliesen zeigen jedoch, dass sich die Gestaltung an Formen und Ideen orientierte, die von den Klöstern und Adelshöfen in Europa stammten. Mit den Mönchen und Nonnen nimmt die Zahl der Schreib- und Lesekundigen im Land zu. Außerdem bringen sie neues Wissen über Arzneimittel und Gartenbau mit.  

Von Norwegen ziehen Pilger in die Welt hinaus, um Erlösung zu finden und Heilung bei Krankheiten zu erhalten. Wer genügend Zeit hatte, konnte sogar bis nach Rom oder Santiago de Compostela pilgern. Doch die meisten führt die Reise zu nähergelegenen Zielen – zur St. Hallvard-Kathedrale in Oslo oder zum Grab von Olav dem Heiligen in Trondheim, dem damaligen Nidaros. Auch die Karlsstadt Aachen muss Ziel einer Pilgerreise gewesen sein. Hiervon zeugt das runde Pilgerzeichen, das in Tynset in Ost-Norwegen gefunden wurde. Solche kleinen Metallplaketten waren der Beleg, dass die Pilgereise zu Ende geführt worden war. Außerdem brachten sie ein Stück der heiligen Sphäre nach Hause auf den Hof oder in die Stadt.  

Andere zogen in die Welt hinaus, um mit Waffen für ihren Glauben zu kämpfen, nämlich die Kreuzfahrer. Aus dem Nahen Osten nahmen einige die Tradition schöner Wasserkannen zum rituellen Händewaschen mit nach Hause, wie dieser Ritter-Kanne. Priester wuschen sich die Hände nach dem Abendmahl mit Wasser aus einer solchen Wasserkanne.

8. Neue Geschichten

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Das Mittelalter bringt neue Ideen und Geschichten mit sich

Hierum geht es in diesem Raum – aber schauen wir uns zunächst das geschnitzte Gesicht an, das in der Altstadt von Oslo gefunden wurde. Könnte es die Spitze eines Stabs gewesen sein, den ein Narr zum Jonglieren oder zum Erzählen von Geschichten benutzte? Bei seinen Auftritten kann der Narr den Stab quasi für sich sprechen lassen. War das eine Weise, dem Narren zu ermöglichen, freimütiger oder frecher zu sein? Dieser Narrenkopf stammt möglicherweise aus der Zeit um 1300. 

Die kunstfertigen Geschichtenerzähler haben immer noch ihren festen Platz an den Feuerstellen in Wohnzimmern, Bierstuben und an Königshöfen. Doch das geschriebene Wort wird immer wichtiger. Rittererzählungen und Heiligenlegenden, die häufig laut vorgelesen wurden, sollen erzieherisch wirken und gleichzeitig unterhalten. Auf dem Sterbebett soll der Vater von König Magnus Lagabøte darum gebeten haben, dass jemand aus den Königsepen vorliest. Auch Bilder und Musik dienen der Vermittlung von Werten und schaffen neue Erfahrungen und Gemeinschaften. Die bunten Heiligenskulpturen und Altarbilder in den Kirchen weisen den Menschen den Weg zum richtigen Glauben.

Im gesamten Mittelalter werden Runen als Schrift verwendet, die häufig in Holz- oder Knochenstücke eingeritzt werden. Mitunter sind sie auch auf Alltagsgegenständen zu finden. Runeninschriften finden sich auch in mittelalterlichen Kirchen und auf mittelalterlichen Gehöften. Ganz gleich, ob Runeninschriften Neuigkeiten, Klatsch oder Stoßgebete enthalten: Die Funde geben uns einen Einblick in den Alltag der Menschen von damals.

9. Heilige und Vorbilder

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Maria und Olav der Heilige

Hier stehen wir vor den berühmtesten Heiligen im mittelalterlichen Norwegen. Maria und Olav waren wichtige Vorbilder für die gesamte Bevölkerung – vom König oder der Königin bis hin zu den einfachen Bäuerinnen und Bauern. Beide Skulpturen stammen aus der Kirche Fresvik in Sogn in Westnorwegen. Sie sind Mitte des 13. Jahrhunderts, d. h. im Hochmittelalter, entstanden. 

Olav der Heilige ist als König gekleidet. Er trägt einen eleganten, roten Umhang mit Pelzfutter über einem langen goldenen Gewand. Auffällig sind auch seine ungewöhnlich fein gemusterten Strümpfe und spitzen Schuhe. In jungen Jahren hatte Olav als Wikinger Nordeuropa unsicher gemacht. Mit Hilfe von Priestern und durch Waffen wurde er schließlich König von Norwegen. Als König legte er fest, dass sich alle zum Glauben an den „Kvitekrist“ bekennen mussten – so wurde Christus in der norwegischen Christianisierung genannt. Allerdings machte sich Olav viele Feinde, sodass er im Jahr 1030 getötet wurde. Schon bald kursierten Erzählungen von Wundern an Olavs Grab. Der Bischof von Trondheim, damals noch Nidaros, sprach ihn heilig. Die Stadt wurde zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Später im Mittelalter galt Olav als Begründer des christlichen Königreichs Norwegen und der ältesten norwegischen Gesetze.

Marias Gewand ist golden. Es imitiert ebenfalls ein Futter aus Pelz. Unter ihrem Mantel trägt sie eine lange goldene Tunika, die bis zu ihren spitz zulaufenden Schuhen reicht. Die Inspiration für die Skulptur stammt aus England. Sie könnte jedoch Mitte des 13. Jhs. in Norwegen entstanden sein. Maria ist die Mutter Jesu und gilt als Helferin der Menschen. Viele mittelalterliche Kirchen haben eigene Marienaltäre.

10. Amulette und Siegel

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Hier stehen wir vor mehreren Gegenständen aus Metall

Amulette aus Metall sollten ihre Besitzerinnen und Besitzer vor Krankheiten und dem Bösen schützen. Hierzu dienen die Inschrift und das Metall selbst. Laut einer Handschrift aus dem 14. Jh. sollte zum Schutz vor dem Elfenvolk auf Blei geschrieben werden. 

Das linke Bleistück wurde in der Osloer Altstadt gefunden. Ein Wort, das auf dem Amulett lesbar ist, ist das griechische Tetragramm. Tetragramm bedeutet „die vier Buchstaben“ und bezieht sich auf die hebräische Schreibweise des Namen Gottes: J H V H, d. h. Jahwe. Die nächsten Runen könnten Olavus sanktus, d. h. Olav der Heilige, bedeuten. Mithilfe fortschrittlicher Strahlentechnik konnten Forscher Teile der Inschrift auch im Inneren des Amuletts lesen.

Das Bleisiegel rechts daneben wurde bei archäologischen Ausgrabungen in der Nähe des mittelalterlichen Bischofspalastes in Oslo gefunden. Wie sich gezeigt hat, handelt es sich um das Siegel von Innozenz IV., der von 1243 bis 1254 Papst war. Ein Siegel beweist, dass ein Dokument wirklich vom genannten Absender oder der genannten Absenderin stammt. Kraft des Siegels ist er oder sie sozusagen anwesend. Zur Herstellung des Siegels wird ein sogenannter Siegelstempel oder einfach ein Stempel in Wachs oder Blei gedrückt. Wer das Siegel des Königs fälscht, wird für vogelfrei erklärt, d. h. aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Der runde Siegelstempel auf der Vorderseite gehörte dem Probst der Marienkirche in Oslo. Er war der wichtigste Beamte des Königs und Kanzler des Landes. Die Marienkirche kann deswegen auch als das erste Ministerium Norwegens bezeichnet werden.   

11. Mutterliebe

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Ein Gemälde erzählt

Dieses Tafelbild bildete die Altarfront in der Kirche von Tingelstad in Hadeland, eine Stunde nördlich von Oslo. In der Mitte sind Maria und das Jesuskind zu sehen, die einander liebevoll ansehen. Als Mutter Gottes ist Maria die wichtigste Heilige der Kirche. Hier ist sie wie eine Königin gekleidet – die Königin des Himmels. Die Frucht in ihrer Hand ist ein Symbol für Fruchtbarkeit. 

Mariendarstellungen mit Kind kreisen um das große Mysterium, dass Maria Jesus – den Sohn Gottes – geboren hat. Ganz oben links sehen wir den Engel Gabriel, der Maria mit erhobenem Finger verkündet, dass sie Mutter wird. Die Verkündigung des Herrn ist ein Feiertag, der Ende März gefeiert wird. Die ersten Worte Gabriels laufen als Schriftband quer über das gesamte Gemälde: „Gegrüßet seist du, Maria, voller Gnade.“ Rechts von Maria sehen wir zwei Frauen, die einander umarmen. Auch hier sehen wir Maria, die ihre Verwandte Elisabeth besucht und ihr erzählt, dass sie schwanger ist. Elisabeth ist ebenfalls schwanger. Auch hieraus ist ein Feiertag entstanden: Mariä Heimsuchung am 2. Juli.

In der rechten Ecke verkündet ein Engel den Hirten bei Bethlehem die Geburt Jesu. Eine Besonderheit ist die Kleidung, die einer der Hirten trägt. Sie besteht wechselweise aus grünen und gelben Textilien, ganz wie es damals im Mittelalter gerade Mode war.

Unten links sehen wir drei Könige. Es sind die Weisen, die Jesus Geschenke mitbringen. Bis heute erinnert der 6. Januar an den Besuch der drei heiligen Könige. 

Unten rechts sind Maria und Josef mit dem Kind im Tempel. Der Besuch findet 40 Tage nach dem Weihnachtstag statt, um Marias sogenannte Reinigung zu vollziehen. Hieraus wird später der Feiertag Mariä Lichtmess am 2. Februar.

Der bräunliche Hintergrund war früher mit schimmerndem Blattsilber beschichtet, das poliert und mit einer gelben, transparenten Lasur überzogen war. Seit der Entstehung des Bildes im späten 13. Jh. sind das Silber und die Lasur nachgedunkelt. Auch an den Farben zeigt sich also, dass das Gemälde über 700 Jahre alt ist. Restauratoren haben jetzt eine Kopie angefertigt und das ursprüngliche Gemälde rekonstruiert. Die Kopie zeigt, wie das Goldimitat schimmerte, wenn das Licht auf das Gemälde an der Altarfront in der mittelalterlichen Kirche fiel. Sehen Sie sich die Kopie an, indem Sie den QR-Code in der Ausstellung herunterladen.

12. Zwei verwendete Alphabete

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Mittelalterliche Runen

Mit dem Christentum hält auch das lateinische Alphabet Einzug. Vereinbarungen werden durch Buchstaben auf Pergament aus dünnem Kalbsleder festgehalten. Auch Wissen, Werte und Gesetze werden so vermittelt. Wie wir hier allerdings sehen, zeigen viele Funde aus mittelalterlichen Städten, dass die Menschen noch bis ins 15. Jh. Runen verwendet haben. Gegenüber der Wikingerzeit wird die Runenschrift im Mittelalter um mehr Zeichen ausgebaut. Einige Runen verändern auch ihre Form. Die Runeninschriften auf Holz und Knochen in der Vitrine geben uns Einblicke in den Alltag, die Gefühle und den Glauben der Menschen. Wer ist beispielsweise dieser Nikolas, „der die Frau namens Gyrid so sehr liebt“? Und wer ist Gyrid? War der Spinnwirtel, um das sich die Worte ranken, vielleicht ein Geschenk für sie? Oder ist es einfach nur Klatsch, der Frauen beim Spinnen als Unterhaltung diente? Der mit Runen beschriebene Knochen oben in der Mitte bietet uns Einblicke in pikantere Geschichten und Klatsch aus dem mittelalterlichen Oslo. Drücken Sie Audioguide Nummer 32 um den Wortwechsel auf Altnordisch mit deutscher Übersetzung zu hören. 

An dem einen Ende des Stabes in der Mitte ist ein Menschenkopf eingeschnitzt. Auf der Rückseite finden wir die ersten sechs Zeichen des Runenalphabets, f u þ [th] o r k. Es ist einfach eine Schreibübung. Aus diesen Runen ist der heutige Name des Runenalphabets entstanden: Futhark. Auf dem Boden eines Holzfasses aus der Osloer Altstadt finden wir nur die ersten drei Runen des Futharks. Vielleicht diente das „ABC“ der Runen einfach als Dekoration auf diesem Holzstück? Oder sind die Runen möglicherweise doppeldeutig? Fuð bezeichnet im Altnordischen auch das Körperteil zwischen den Gesäßbacken und ist wahrscheinlich verwandt mit einem der norwegischen Wörter – im Jargon – für die weiblichen Genitalien, „fitte“. 

Lateinische Buchstaben und Runen können auch zusammen verwendet werden. Auf dem Runenholz rechts steht u. a: Manus Domini, d.h. „Die Hand Gottes ...“. Die anderen beiden Seiten desselben Holzstücks tragen Inschriften auf Altnordisch. Der Text ist nicht vollständig, könnte aber heißen: „Bryngjerd ist es … Es ist wahr.“ Ist es vielleicht eine religiöse Botschaft, die besagt, dass Bryngjerd ihr Leben in Gottes Hände gelegt hat? 

Die längste Inschrift findet sich auf dem dünnen Runenholz unten rechts, das aus Tønsberg stammt und Inschriften auf allen vier Seiten trägt. Der Text erzählt u. a. vom Erlernen der Runenschrift: „Steingrim und ich haben viel miteinander gesprochen, weil ich hierdurch die Runen erlernen möchte.“

13. Europäische Idealen

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„Mit steifgefrorenen Fingern zog ich etwas aus der Erde, was ich für eine große Fischgräte hielt. Als ich das Fundstück umdrehte, sah ich direkt in das lächelnde Gesicht einer Gestalt mit einer Krone und einem Jagdfalken auf dem Arm“, so erzählt die Archäologin Ann-Ingeborg Floa Grindhaug vom Norwegischen Institut zur Erforschung des Kulturerbes vom Augenblick, in dem sie die Figur mit einem Falken auf dem Arm fand. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um einen Griff für ein Messer oder ein anderes Utensil. 

Das Ideal für ein richtiges, gutes Leben sahen sich die Könige und Königinnen bei den europäischen Höfen ab. Um das Jahr 1300 lässt Königin Euphemia in Oslo die Ritterdichtungen übersetzen, die sie aus ihrer Kindheit auf Rügen kannte. Aus dem Wort „Hof“ werden die Begriffe „höfisch“ und „höflich“ abgeleitet. Diese höfischen Ideale verbreiteten sich im Mittelalter in der gesamten Gesellschaft. 

Das Buch Der Königsspiegel wurde Mitte des 13. Jhs. zur Erziehung norwegischer Königssöhne geschrieben. Der königliche Nachwuchs muss Sprachen, Geografie und Handel erlernen. Wir erfahren, dass sich ein König in erster Linie um das Volk und das Königreich zu kümmern hat, sich bisweilen aber auch „mit Falken, Hunden, Pferden oder Waffen“ amüsieren darf. Von Weinglas und Spielsteinen soll er dagegen die Finger lassen, weil der König anderen ein gutes Vorbild sein soll. Der unbekannte Autor gibt ihm außerdem die folgenden Warnungen auf den Weg: „… trinke nie bis zur Trunkenheit; zu oft wirst du gerufen, um einen Rechtsstreit zu schlichten..., oder du musst deine eigenen schwierigen Angelegenheiten regeln.“

14. Treue gegenüber Gott und König

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Die Kirche, der König – und der Papst

Im Mittelalter gehören alle Menschen in Norwegen der katholischen Glaubensgemeinschaft an, dessen Oberhaupt der Papst in Rom ist. Dieses Ölgemälde zeigt den allerersten Papst, den Heiligen Petrus, der einer der Jünger Jesu war. Der Überlieferung nach wurde er später Bischof von Rom. Auf diesem Ölgemälde hält Petrus sein Kennzeichen in der rechten Hand – die Schlüssel zum Himmelreich. Im Mittelalter müssen alle die sogenannte Romsteuer, die auch als Peterspfennig bezeichnet wurde, an den Papst in Rom entrichten.

Das Gemälde von Petrus wurde um das Jahr 1250 außen auf einen Altarflügel gemalt. Er bestand aus Eichenholz und war einer der vier Flügel am Flügelaltar in der Kirche von Fåberg westlich von Lillehammer. An Marienfesten öffnete der Pfarrer die Flügel. Im Inneren stand eine Marienfigur. Sie war so groß wie die Marienskulptur aus Fresvik, die wir neben Olav dem Heiligen sehen. Die Innenseite des Flügels war mit gemalten Reliefs gestaltet, die Szenen aus Marias Leben zeigten. Der Hintergrund schimmerte in Goldimitat. 

Der Glaube begleitet die Menschen im Mittelalter: im Alltag und an Festen, von der Geburt bis zum Tod. An besonderen Festen und Feiertagen zieht die Gemeinde in feierlicher Prozession von Altar zu Altar oder ins Freie. Der Pfarrer geht mit einem Kruzifix oder Stab an der Spitze des Zuges. Das blau emaillierte Kruzifix wurde in der Stadt Limoges in Frankreich hergestellt.

Das norwegische Landrecht legt fest, dass Gott den König zum Ombudsmann, oder Vertreter, in der weltlichen Welt ernannt hat und der Bischof die geistliche Sphäre lenken soll. Nicht immer herrscht Einigkeit darüber, ob der König oder die Kirche das letzte Wort haben soll. Über lange Zeiträume hinweg gibt es jedoch auch ein friedliches Miteinander, in der die Kirche und der König von der Macht der jeweils anderen Seite profitieren. 

15. Ein Fenster zur heiligen Sphäre?

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Diese Luke stammt aus einer Stabkirche, die bis zu ihrem Abriss im Jahr 1864 in Nesbyen in Hallingdal stand. Über ihre Verwendung wurde schon viel gemutmaßt: War es eine Beichtluke, durch die die Gläubigen mit dem Pfarrer sprechen konnten? Oder hat der Pfarrer kranken Menschen, die den Kirchenraum nicht frei betreten durften, hierdurch die Kommunion verabreicht, beispielsweise Leprakranken? Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass es sich um eine Luke in der Kirchenwand handelte, die die Gläubigen im Dorf von außen öffnen konnten. Dahinter verbarg sich ein Altar mit einer Heiligenfigur. So konnten sie ihre Gebete sprechen, ohne die Kirche selbst zu betreten. Man könnte die Luke deswegen auch als „Andachtsluke“ bezeichnen. Bunte Bilder und Skulpturen in der Kirche brachten den Menschen die heilige Sphäre näher und gaben ihnen Kraft für das tägliche Leben. 

Die Kirche von Nes wurde im 13. Jh. erbaut. Im 19. Jh. brauchten viele Gemeinden größere Kirchen, um mehr Platz für die wachsende Bevölkerung zu erhalten. Außerdem wünschten sich die Menschen hellere, wärmere Gotteshäuser, am liebsten an der gleichen Stelle, an der die alte Kirche gestanden hatte. Aus diesem Grund verschwanden viele alte Kirchen. Mit der Zeit entstand der Gedanke, die schönsten Gebäudeteile und die Kunst aus den Kirchen zu bewahren. Im Erdgeschoss des Museums sind einige Kirchenportale und Dekorationen aus mittelalterlichen norwegischen Kirchen zu sehen. 

16. Ein Löffel aus Rentierhorn

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Dieser Löffel wurde in den 1970er Jahren von Archäologen im Stadtteil Gamlebyen in Oslo gefunden. Er wurde im 12. Jahrhundert hergestellt und konnte sowohl zum Kochen als auch zum Essen verwendet werden. Ein Löffel war sowohl für den Koch als auch für den Gast unverzichtbar.  

Es gab Löffel in vielen Versionen und Größen, und sie konnten aus Horn oder Knochen, Silber oder Bronze hergestellt sein. Am gebräuchlichsten war der Holzlöffel. Dieser hier ist aus Rentiergeweih gefertigt und mit doppelten Kreisen verziert, die sowohl in der Eisenzeit als auch im Mittelalter ein beliebtes Muster waren. Rentierhorn – oder besser gesagt Geweih – ist leicht zu bearbeiten. Es wurde auch häufig zur Herstellung von Kämmen verwendet. Die Geweihe stammten oft von der Rentierjagd auf der Hardangervidda, in Rondane oder Dovre.

17. Neue Waren und neue Impulse

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Die Deutsche Hanse hatte ein gut organisiertes Handelsnetz im gesamten Nord- und Ostseeraum. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts spielten die deutschen Kaufleute eine immer wichtigere Rolle entlang der norwegischen Küste. Sie lieferten nicht nur Gewürze, Wein, Bohnen und Roggen, sondern kamen auch mit neuen Ideen, wie man die Waren verwenden konnte. Norwegen konnte jetzt den kulinarischen Trends in Europa folgen. Gewürze, die wir heute hauptsächlich mit Weihnachten verbinden, wurden im Mörser gemahlen und für Fleisch und Fisch verwendet. Die Inspiration stammte aus der Küche des Nahen Ostens. Aus dieser Region kamen auch neue Ideen von Genuss und dem Sinnlichen. Diese Ideen mischten sich mit mittelalterlicher Lehre über Nahrungsmittel, die auch als Medizin verwendet werden konnten.  

Viele der neuen Rohwaren wurden in Keramikbehältern importiert. Neue Untersuchungen zeigen, dass der helle, schmale Krug in der Vitrine einst mit Rotwein gefüllt und vielleicht mit Harz versiegelt war. Er tauchte 2022 bei archäologischen Ausgrabungen auf. Die Keramikscherbe mit dem bärtigen Gesicht stammt von einem Krug aus Scarborough in England. Solche Krüge waren sehr begehrt, und einige fanden ihren Weg in die norwegischen Städte des Mittelalters. Sie wurden zum Servieren von Wein und Bier verwendet und waren bei Kaufleuten und anderen gut betuchten Bürgern beliebt.  

Krüge mit schmalem Hals und zwei Griffen werden als Amphoren bezeichnet. Sie wurden verwendet, um Wein, Öl, Getreide und andere Lebensmittel über das Mittelmeer zu transportieren und zu lagern. Im Mittelalter fanden sie auch ihren Weg nach Nordeuropa. Hier in Norwegen haben wir nur eine Handvoll von ihnen gefunden, und dieser Fund aus Oslo stammt möglicherweise aus Byzanz, also aus dem Oströmischen Reich.

18. Gewürze in der Küche des Mittelalters

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Die neuen Gewürze kamen von weither, von Indonesien im Osten bis Guinea im Süden. Im 12. und 13. Jahrhundert verliehen solche Gewürze sowohl dem Essen als auch dem Wirt Status. Sie konnten auch als vornehme Geschenke verwendet werden und besaßen den gleichen Wert wie Seide und Edelsteine. Heute verbinden wir solche Gewürze meist mit Weihnachten und süßem Gebäck, aber im Mittelalter wurden sie völlig anders verwendet. Exotische Gewürzmischungen waren teure Zutaten in feinen Saucen für Fleisch und Fisch.  

In der Vitrine haben wir einige der Gewürze gesammelt, die wir aus mittelalterlichen Manuskripten kennen. In den Rezepten finden wir auch Gewürze, die heute in der norwegischen Küche selten verwendet werden, wie Langpfeffer und Paradieskörner, auch Guinea-Pfeffer genannt. Die Karte zeigt, wo viele der Gewürze ursprünglich angebaut wurden. Nach und nach wurden sie auch aus anderen Gegenden exportiert. Bei einigen Gewürzen, wie Safran, ist der ursprüngliche Herkunftsort unbekannt. 

Der Mörser war in der mittelalterlichen Küche unverzichtbar. Er wurde verwendet, um Gewürze und Kräuter zu mahlen, genau wie wir es auch heute tun. Er konnte jedoch auch zum Mahlen von Brot verwendet werden, mit dem Eintöpfe und Saucen angedickt werden sollten. Wenn man Nussöl herstellen wollte, wurde der Mörser erwärmt, bevor Nüsse und Salz darin zerstoßen wurden. Mittelalterliche Mörser wurden oft aus Speckstein hergestellt, während dieser hier aus einer Berggesteinsart besteht.

19. Grundausstattung in der Küche

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In mittelalterlichen Küchen finden wir eine Grundausstattung, die unserer heutigen ähnelt, fast 1000 Jahre später. Kochlöffel wurden hauptsächlich aus Holz hergestellt, und es gab verschiedene Ausführungen. Bei archäologischen Ausgrabungen wurden Kochlöffel mit einem Loch in der Mitte gefunden, genau wie bei Holzlöffeln, die noch heute verkauft werden. Der Schneebesen des Mittelalters wird als Astquirl bezeichnet. Es wurde aus der Spitze eines Astes mit einem Kranz aus dünnen Ästen hergestellt. Schöpfkellen sind oft kürzer als die heute verwendeten, und sie wurden oft aus anderen Materialien wie Speckstein und Holz hergestellt. Schöpfkellen aus Stein konnten auch dazu verwendet werden, Gewürze oder Kräuter zu zerkleinern und zu mahlen. 

Die schmalen und flachen Backspatel sind praktische Hilfsmittel zum Handtieren der Backwaren, wie z. B. dem Wenden des Fladenbrotes, oder der Norwegischen Lefse, und anderen Brottypen auf dem Backstein. Die meisten Menschen aßen im Alltag ungesäuertes Fladenbrot. Es wurde meistens aus Gerste oder Hafer gebacken. Die Herstellung von Sauerteigbrot erforderte einen Backofen und Getreide mit höherem Glutengehalt, wie Weizen und Roggen.

20. Aufbewahrung von Rohwaren

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Es war lebenswichtig, das Essen so aufzubewahren, dass es sich hielt. Aber wie, ohne Kühl- und Gefrierschrank? Salzen, Trocknen, Backen, Räuchern und Fermentieren waren hier die Lösung. Diese Konservierungsmethoden haben dem Essen gleichzeitig jede Menge Gerüche und Aromen verliehen.  

Im Mittelalter wurde getrockneter Fisch zum wichtigsten Exportartikel ins Ausland. Fleisch konnte durch Pökeln und Salzen haltbar gemacht werden. Fleischreste und Fett wurden in Därme gestopft und in Würste verwandelt. Es war üblich, lange Stäbe in jedes Ende der Wurst zu stecken, bevor sie zum Reifen aufgehängt wurde. Dies sollte die Fleischfüllung stabilisieren. Diese Wurststäbe werden regelmäßig bei archäologischen Ausgrabungen in mittelalterlichen Städten gefunden.  

Milch wurde in Butter, Käse und andere haltbare Milchprodukte verwandelt. Das Holzstück, das dem Teller eines Skistocks ähnelt, ist ein Teil der Ausstattung, die zum Stampfen von Butter verwendet wurde. Die Sahne oder der Sauerrahm wurden in ein hohes Gefäß gegeben, und dann stampfte man mit dem Stab, bis der Inhalt zu Butter wurde. Butter wurde sehr geschätzt, und einige füllten sie in Holzformen, um den gedeckten Tisch mit einem dekorativen „Butterhaus“ zu schmücken. Oder die Butter wurde mit einem geriffelten Butterkamm bearbeitet, bevor sie den Gästen serviert wurde. 

Die ovale Holzplatte stammt von einer Käseform. Sauerkäse war im Mittelalter weit verbreitet. Er wird durch Erhitzen von saurer Magermilch hergestellt. Dabei trennt sich der Käse von der Molke. Die Molke tropfte anschließend durch die kleinen ovalen Löcher am Boden der Käseform ab. 

Was einem Holzmesser ähnelt, wurde verwendet, um die Sahne von der Milch abzuseihen. Milch trennt sich, wenn man sie eine Weile stehen lässt. Dabei setzt sich oben eine Schicht Sahne ab. Dann konnte die Milch vorsichtig in ein anderes Gefäß gegossen werden, während die Sahne mit einem solchen Messer an der Oberfläche abgeseiht wurde.  

Aber was haben Teigroller mit der Konservierung zu tun? Ganz einfach: das Backen von Fladenbroten oder Zwiebäcken verhindert, dass das Mehl schimmelig wird.

21. Zum Wohl – gute Getränke in stattlichen Krügen und Gläsern

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Bierbrauen war nicht nur üblich, sondern es war sogar vorgeschrieben. Das Anstoßen mit Bier war nicht nur ein Dankeschön an Christus und Maria, sondern auch der Wunsch nach Frieden und einer guten Ernte. Bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen musste es immer reichlich gute Getränke in den Gläsern geben.  

In Norwegen wurde ab dem Mittelalter Hopfen zum Bierbrauen verwendet. Das hat dem Bier ein neues und leicht bitteres Aroma verliehen, und der Hopfen machte es außerdem haltbarer. Im Mittelalter kam auch mehr Wein nach Norwegen. Er wurde aus Deutschland und Frankreich importiert, aber auch griechischer Wein wurde getrunken. Wein war damals ein verderbliches Getränk mit kurzer Haltbarkeit, da es sich um Naturwein ohne Zucker- und Sulfitzusatz handelte. In wohlhabenden Häusern und in Klöstern servierte der Gastgeber den Wein aus schönen Krügen. Dieser Krug mit Gesicht ist ein Luxusprodukt aus Grimston, England. Er wurde in den Ruinen des Olav-Klosters in Oslo gefunden.  

Glasbecher mit Noppen, auf Norwegisch als „Knospenbecher“ bezeichnet, wurden im späteren Teil des Mittelalters populär. Das hohe Glas mit Ringen zeigt an, wie viel man trinken kann, bevor es an den nächsten Gast weitergegeben wird – daher der Name Passglas. Dies waren die beliebtesten Trinkgläser in Nordeuropa in der Zeit zwischen 1550 und 1670. Alles an Glas wurde importiert. In Norwegen begann die Produktion von Trinkgläsern im 18. Jahrhundert.  

Ein Holzbecher konnte jedoch lokal gefertigt werden. Ein so kleiner Becher, wie wir ihn hier sehen, war vielleicht für Wein bestimmt? Aus den größeren Bechern trank man auch ein Getränk, das Mungåt genannt wurde. Mungát oder „die Speise der Lust“ war ein schwaches, selbst gebrautes Bier, das billiger war als importiertes Bier. Etwas spektakulärer war es, das Bier in einem Trinkhorn zu servieren. Die Hörner sind oft mit Metall verziert, und einige haben auch Füße. In der Ausstellung HERITAGE im Erdgeschoss können Sie mehrere schöne Trinkhörner sehen.

22. Der Kochtopf – das Herz der Küche

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In vielen mittelalterlichen Häusern köchelte es oft in einem Topf aus Speckstein über der Feuerstelle. Speckstein hält gut die Wärme und verbraucht wenig Holz. Daher waren Töpfe aus Speckstein besonders geeignet für Eintöpfe, Brei und andere Gerichte, die eine lange Garzeit bei niedriger Hitze erfordern.  

Töpfe aus Eisen und Kupfer waren teuer, aber langlebig. Sie konnten durch Verschweißen mit langen Eisenstücken repariert werden. Es war kein Wunder, dass die Leute ihre Töpfe reparieren ließen, denn in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kostete ein neuer Eisentopf genau so viel wie eine Kuh. Der Kupfertopf mit drei hohen Beinen und einem Henkel eignet sich zum Aufhängen über dem Feuer und kann auch in der Feuerstelle stehen.  

In den Städten konnte man auch Keramiktöpfe aus dem Ausland kaufen. Ab dem 14. Jahrhundert gab es Töpfe mit drei Beinen. Dies erleichterte das Regulieren der Wärme unter dem Topf. Töpfe mit Beinen und Griff werden in Norwegen „Stjertepotte“ genannt. „Stjert“ bedeutet Bürzel oder Schwanz auf Deutsch und bezieht sich auf die Griffe des Topfes. Sie hatten ein Loch in der Mitte, sodass eine Stange eingeführt werden konnte, um den Topf vom Feuer zu nehmen und wieder hineinzustellen. Solche Kochtöpfe wurden im späten Mittelalter in Gebrauch genommen. Sie wurden aus Südskandinavien und Norddeutschland importiert.  

Während professionelle Bäcker ihren eigenen Backofen hatten, kamen die meisten Menschen mit einem flachen Stein zum Backen und Braten aus. In norwegischen Städten aus dem Mittelalter wurden Hunderte dieser Backsteine gefunden. Die Steine zum Backen und Braten waren aus Schiefer oder Speckstein hergestellt und hatten Rillen auf beiden Seiten. Untersuchungen deuten darauf hin, dass man auch Fleisch und verschiedene Mischungen aus Milch und pflanzlichen Rohwaren auf diesen Steinen gebraten hat.

23. Was kam auf den Tisch?

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Im Alltag aßen die Menschen häufig direkt aus dem Topf, und alle hatten ihren eigenen Löffel. Silberlöffel mit Krone wie dieser hier waren nicht für den Alltag bestimmt, sondern dienten als Geschenke bei Verlobungen und anderen wichtigen Anlässen. Nur bei reichen Leuten wurde der Tisch mit einem weißen Tischtuch und kleinen Broten für jeden Gast gedeckt. 

Damals wie heute war das Messer ein universelles Werkzeug. Es war praktisch am Gürtel zu tragen und konnte für alles Mögliche verwendet werden, von Gemüse bis hin zu Fleisch und Brot. Wir haben auch größere Schneidemesser aus Eisen gefunden. Große Gabeln mit zwei Zähnen wurden zum Braten und Servieren von großen Fleischstücken verwendet. Gabeln zum Essen wurden in Norwegen erst im 18. Jahrhundert üblich. 

Archäologen finden auch Überreste der Mahlzeiten, die damals serviert wurden. Im Mittelalter konnte man wesentlich mehr Fischsorten kaufen, als wir heute in den Geschäften finden. Kabeljau und Lengfisch waren am beliebtesten, aber auch seltene Arten wie das Neunauge, heute eine gefährdete Art, wurden gegessen.  

In den Städten aus dem Mittelalter wurden viele Muscheln gefunden. Es gibt auch kontinentale Rezepte aus dem Mittelalter für Suppen, Eintöpfe und Ragouts mit Muscheln, die bewahrt worden sind. Es ist jedoch nur wenig erforscht, wie wichtig solche Meeresfrüchte damals in der Ernährung waren. 

Analysen von Tierknochen deuten darauf hin, dass in Oslo vor allem Fleisch von Rindern gegessen wurde. Im Mittelalter wurden außerdem häufiger Schafe und Ziegen bei der Essenszubereitung verwendet als Schweine. Nichts wurde vergeudet. Die gefundenen Knochen sind häufig zerbrochen und das nahrhafte Knochenmark wurde entfernt. Ein Rezept für Pastete mit Knochenmark zeigt, dass Knochenmark auch als Nahrung für wohlhabende Menschen diente:  

„Hirschknochen müssen geköchelt und im kalten Zustand zerbrochen werden. Einen Teig aus Weizenmehl und kaltem Wasser herstellen, Salz und Pfeffer und Zimt hinzufügen, das Knochenmark aus den Knochen verwenden und aus allem eine Pastete anfertigen. Dann alles in einem Ofen backen.“

24. Essen als Medizin

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Im Mittelalter beschrieben die Gelehrten den Zusammenhang zwischen allem, was von Gott geschaffen war, vom großen Kosmos bis hin zur Gesundheit des Körpers. Alle Lebensmittel hatten spezielle Eigenschaften, die sie warm, kalt, trocken oder feucht machten. Die gleichen Eigenschaften galten auch für menschliche Körperflüssigkeiten. Lebensmittel konnten daher dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen den vier Flüssigkeiten im Körper aufrechtzuerhalten: Blut, gelbe und schwarze Galle sowie Schleim. Die Lehre von diesem Zusammenhang zwischen Körperflüssigkeiten und Krankheiten wird als Humoralpathologie bezeichnet. Die richtige Ernährung kann Krankheiten verhindern und den Körper gesund machen, meinte man.  

Ein gutes Beispiel hierfür ist Salbei. Salbei ist eine alte Heilpflanze und wurde traditionell verwendet, um alles von Darmträgheit bis hin zu Depressionen und Beschwerden in den Wechseljahren zu heilen. Der Name stammt vom lateinischen Wort salvare, was „heilen“ bedeutet. Die deutsche Nonne Hildegard von Bingen war eine Gelehrte sowohl der Theologie als auch der Wissenschaft. Mitte des 12. Jahrhunderts schrieb sie:  

„Salbei ist von warmer und trockener Natur und wächst mehr durch die Hitze der Sonne als durch die Feuchtigkeit der Erde ... Er ist nützlich gegen kranke Flüssigkeiten, da er trocken ist. Er kann gut roh oder gekocht gegessen werden und hilft denjenigen, die von schädlichen Körperflüssigkeiten geplagt sind ...“

31. Der Steinmetz erzählt

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Der Steinmetz Chris Fleurie erzählt 

Das ganze Mittelalter hindurch war die Ausbildung zum Steinmetz ein langer Weg. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer im Mittelalter Steinmetz werden wollte, musste zunächst in die Lehre gehen. Meist arbeiteten die Lehrlinge für ihren Vater oder Onkel. Die Ausbildung begann schon früh: Wer stark genug war, um Werkzeug, Wasser und Bier zu tragen, konnte Lehrling werden. Zunächst einmal waren Lehrlinge Laufburschen. Sie übernahmen alle möglichen Arbeiten. Mit der Zeit haben sie sich dann Schritt für Schritt hochgearbeitet.

Das Gestein wurde immer vor Ort gewonnen, das heißt, möglichst in der Nähe. Denn genau wie heute waren Steintransporte im Mittelalter teuer. Deswegen wurden die Steine aus einem Steinbruch geholt, der möglichst nah an der Baustelle lag. 

In der Regel suchte man einen natürlichen Riss in einem Stein. Hierin wurden Holzkeile eingetrieben. Danach ließ man die Natur für sich arbeiten. Mit der Zeit schwollen die Keile an und spalteten den Stein entlang der natürlichen Bruchlinie im Steininneren.

Steinmetze und Schmiede arbeiteten eng zusammen. In der Regel besaß ein Steinmetz einen Satz von fünf Werkzeugen. Abends gab der Steinmetz sein Werkzeug beim Schmied ab. Am Morgen konnte er die Werkzeuge dann frisch geschliffen und geschärft wieder abholen. 

Am kostspieligsten ist tatsächlich der unterste Teil eines Gebäudes. Schließlich muss er alles, was darauf aufbaut, tragen können. Beim Bau einer Kirche wird dagegen mit dem Mittelschiff begonnen, das später um das Querschiff erweitert wird. Von hier aus erfolgt dann der weitere Ausbau. Die meisten Kirchen sind aber Ausbauten kleiner Kapellen. 

Bei der Konstruktion von Gebäuden gibt es einen Stein, der alles zusammenhält. Der Stein muss für diesen Zweck perfekt geformt und genau angepasst sein. In Frankreich nennt man den Stein clé, im englischen Key, auf Deutsch heißt er Schlussstein. Diese Schlusssteine sind überall an Gebäuden zu sehen: In der Regel ist es der Stein in der Mitte eines Bogens. Dieser Stein ist der letzte, der eingefügt wird. Die Schlusssteine müssen sich beim Zusammenfügen perfekt einfügen. Wenn sie nicht perfekt passen, wird der Druck an einem Punkt zu groß und alles bricht zusammen. An Ruinen lässt sich das gut ablesen: Häufig stehen nur noch die Bögen. Alles andere ist eingestürzt.

Wenn der Schlussstein fertiggestellt ist, wird er an der richtigen Stelle am Scheitelpunkt des Bogens eingesetzt. Wenn anschließend das Gerüst und die Abstützungen entfernt werden, kommt der Augenblick der Wahrheit: Wenn nichts einstürzt oder herunterfällt, ist das Werk vollendet und ein Gottesdienst zum Lobe Gottes wird abgehalten.

32. Runeninschriften und Gesetze auf Nordisch

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Runeninschriften aus der Sammlung des Kulturhistorischen Museums, vorgelesen von Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Oslo

e(inn), t(veir), þ(rír), f(jórir), f(imm), s(ex), s(jau), á(tta), n(íu), t(íu), e(llifu), t(olf), þ(rettán), f(jórtan), f(imtán), s(extán), s(jautján), á(ttján), n(ítján), t(uttugu). 

So zählt man von 1 bis 20 auf Altnordisch. Auf dem Holzstück ist nur der erste Buchstabe jedes Zahlworts eingeritzt. Hören Sie mehr über die Runeninschriften in der Ausstellung und über einige Gesetze aus dem Landslov, dem norwegischen Landrecht von 1274.
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Ásbjǫrn á mik. / Ich gehöre Asbjørn.

Diese Mitteilung ist auf einem Etikett eingeritzt, das Asbjørn vermutlich an einigen Gegenständen befestigt hatte, die er besaß.
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In anderen Fällen finden wir den Anfang des Runenalphabets, wie die ersten drei Buchstaben f, u, þ, futh oder die ersten sechs Buchstaben f, u, þ, o, r, k, fuþork.
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„Hversu fór mál þat er þú reist í Krosskirkju?“
„Óli er óskeyndr auk stroðinn í rassinn.“
„ … vel fór þat.“

„Wie lautet die Inschrift, die du in der Kreuzkirche eingeritzt hast?“
„Ole ist im Arsch gebumst und nicht abgetrocknet.“
„Das hat gut geklappt!“
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Eilífr virðivægr á mik. Vit Steingrímr hǫfum mælt mart okkar ímilli fyrir þá sǫk at ek vil nema af því rúnar....  
/ Ich gehöre Eiliv dem Würdigen. Steingrim und ich haben viel miteinander gesprochen, weil ich hierdurch Runen erlernen möchte.

Auf ein und demselben Runenholz befinden sich mehrere Inschriften, zwischen denen wir keinen Zusammenhang herstellen können. Vermutlich wurden die Inschriften von mehreren Personen eingeritzt. Hier zwei weitere Inschriften:

Þau eru bæði í búð saman, Klaufa-Kári ok kona Viljalms… Heit sæl(l) þú þá. / Der ungehobelte Kåre und die Frau von Vilhjalm wohnen in derselben Hütte... Viel Glück dir dann!
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Knǫrr, ek spyr þik: vilt þú gipta mér einaþá es þar er, þessar, m-istil, r-istil, t-istil, h-istil, k-istil.
/ Knor, ich frage dich: Willst du eine von ihnen mit mir verheiraten? Und das sind Folgende: mistill, ristill, tistill, histill, kistill.
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Manus Domini, sit su…
Bryngerðr er þat fol/fól… 
(Þ)at er satt.

Herr, halte deine Hand über…
Bryngjerd, ist das…
Das ist wahr.

Vielleicht sagen uns diese Runen, dass eine Frau namens Bryngjerd ihr Leben in Gottes Hände gelegt hat? Die Inschrift enthält lateinische und norwegische Wörter.
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Nikulás ann konu þeirri vel er Gýríðr heitir, stjúpdóttir Pitas-Rǫgnu. / Nikolas liebt die Frau namens Gyrid, die Stieftochter von Pitas-Ragna, sehr.

Aus dem Landslov, d. h. dem Landrecht, von Magnus Lagabøte

Im Jahr 1274 erließ König Magnus Lagabøte ein Gesetz, das in ganz Norwegen gelten sollte. Das Gesetz war auf Altnordisch oder Altnorwegisch verfasst. Wie klang das Gesetz zu der Zeit, als es geschrieben wurde? Hier einige Kostproben.

Nú skal fátǿka menn herbergja um nætr, ok reka eigi út síðan en sól er sett. Arme Leute müssen nachts beherbergt werden und dürfen nach Sonnenuntergang nicht weggeschickt werden.
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Nú er þat greinandi, at ef sá maðr stelr mat, er eigi fær vinnu sér til fóstrs, ok hjalpar svá lífi sínu fyrir hungrs sakir, þá er sá stuldr fyrir engan mun refsingar verðr. /
Hiermit wird Folgendes festgelegt: Wenn jemand, der keine Arbeit hat, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, Essen stiehlt, um sich vor dem Hungertod zu bewahren, ist der Dieb auf keine Weise zu bestrafen.
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Ef verkmaðr gengr í fyrstu vist, ok tekr fulla leigu, kaupi sér hit fyrsta sumar øxi, en annat skjǫld ok hit þriðja spjót.
/ Wenn ein Arbeiter in seinem ersten Dienstverhältnis steht und vollen Lohn erhält, muss er im ersten Jahr eine Axt, im zweiten Jahr ein Schild und im dritten Jahr einen Speer kaufen.
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En ef hann vill selja vali, þá á konungi fyrst at bjóða, fyrr en ǫðrum.
/ Und wenn er Falken verkaufen will, muss er sie zuerst dem König anbieten, ehe er sie anderen anbietet.
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Þat er ok úbótamál at falsa steðja, bréf eða innsigli konungs várs. Þat er ok úbótamál at drepa þann mann er konungs bréf ok innsigli ….
/ Die Fälschung von Münzen, Dekreten oder Siegeln unseres Königs kann nicht durch Geldstrafe gesühnt werden. Auch der Mord an einem Überbringer königlicher Dekrete oder Siegel Aufenthalt, kann nicht durch Geldstrafe gesühnt werden.
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at þessi bók skal heðan af ganga um aldr ok ævi um allan noreg
/… dass dieses Buch von jetzt an und für immer in ganz Norwegen gelten soll.

33. Der Büchsenmacher erzählt

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Der Schmied Anders Helseth erzählt, wie Waffen geschmiedet wurden 

Jetzt lege ich bereits glühende Kohle in meine Esse, die schon mit Kohle gefüllt ist. Danach betätige ich die Blasebälge, um mehr Luft und Hitze zu erzeugen. Allmählich verändert sich das Geräusch. Daran erkenne ich, dass die Kohle heiß wird. Es ist ein tieferer Ton. 

Jetzt blase ich noch mehr Luft auf die Kohle, um starke Hitze zu erzeugen. Das Eisen wird gelb und hat eine Temperatur von ungefähr 1000 Grad. Man kann sehr unterschiedliche Gegenstände schmieden. Für Arbeiten mit weichem Eisen, das immer stark umgeformt wird, eignet bsich diese Methode gut. 

Während der Arbeit sinkt die Temperatur stetig. Jetzt wird das Eisen allmählich grauschwarz. Es ist aber immer noch heiß. Ich lasse aber lieber die Hitze für mich arbeiten und das Eisen weicher machen. Deswegen gehe ich wieder zurück an die Esse. Und zurück zu den Blasebälgen.

Ich schmiede nur kleinere Sachen, damit wir keinen so großen Kohlehaufen brauchen. Die Rohlinge, die hier aus der Esse ragen, sind klein und wiegen nicht besonders viel. Bei einem Langschwert wäre das anders. Dann müsste ich meine Esse ein wenig umbauen. Ich müsste Steine stapeln, damit die Esse länglich und groß genug würde für einen großen Kohlenhaufen. Außerdem bräuchte ich jemanden, der mir hilft. Zunächst würde ich eine Art Paket schnüren. Ich würde ein ordentliches Stück Eisen auswählen, ein ziemlich großes. Dann würde ich ziemlich dicke Platten aus gehärtetem Stahl neben dieses Eisenstück legen.

Ich würde alle Stücke zusammenlegen und das Ganze vielleicht mit etwas Draht umwickeln, um das Paket am Anfang zusammenzuhalten. Danach würde ich alles auf eine sehr hohe Temperatur erhitzen, nahe dem Schmelzpunkt. Das Eisen wird weißglühend, der Stahl raucht, manchmal brennt die Oberfläche ein wenig, so dass Funken sprühen und herabfallen wie Sternschnuppen. 

Jetzt würde ich das Paket aus der Esse nehmen und auf den Amboss legen. Durch Feuer- oder Schmiedeschweißen stelle ich das Schwert her, d. h., ich erhitze das Paket immer wieder und hämmere es mit dem Hammer zusammen, bis es fest verbunden ist. Bei der hohen Temperatur wird der Stahl an der Oberfläche klebrig. Wenn Eisen und Stahl dann zum richtigen Zeitpunkt verschmelzen, bilden sie eine Einheit. Ich kombiniere Eisen mit Stahl, weil der härtere Stahl ein edleres Material ist, er ist ein wenig teurer. Deswegen verwende ich ihn nur für die Schneiden, die hart sein müssen.

Danach geht es weiter. Der Rohling, der aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist, wird in eine Schwertform umgeformt und geschmiedet. Damals im Mittelalter hätte ich das Schwert anschließend vermutlich gehärtet. Danach hätte ich es an den Schwertfeger weitergegeben. Er stellt die Schwertgriffe her und übernimmt den Endschliff. Diese Aufgabe ist fast noch größer, als das Schwert zu schmieden. Der Schwertfeger setzt auch den Griff an und näht die Scheide. Damit ist das Schwert fertig und kann an den Kunden geliefert werden. Ich bin ein wenig verbittert, weil er mehr verdient als ich.

Im mittelalterlichen Norwegen gab es anders als im übrigen Europa Gesetze, die vorschrieben, dass Bauern Waffen besitzen mussten. Wie viele Waffen man besitzen musste, hing davon ab, wie wohlhabend man war. Wer aus der Mittelschicht stammte oder noch reicher war, musste eine bestimmte Anzahl Waffen beim sogenannten Waffen-Thing, einer besonderen Versammlung, auf der die Waffen kontrolliert wurden, vorzeigen. Dazu gehörte im Übrigen auch ein Helm. Aus Norwegen haben wir viele Fundstücke, die wir häufig als Eisenhüte bezeichnen. Damals wurden sie nordische Stahlhüte oder „stálhúfa norrøn“ genannt. Das deutet darauf hin, dass es sich möglicherweise um eine skandinavische Besonderheit handelte. Wir haben einige Helme gefunden und wissen ziemlich genau, wie sie gemacht wurden. Sie werden ganz einfach aus dünnen Platten zusammengesetzt. 

Nachdem die Platten geschmiedet sind, stanze ich mit dem Meißel Stücke in der richtigen Form aus – vermutlich nach einer Schablone, die ich besitze und sehr sorgfältig aufbewahre. Danach werden die Plattenstücke in der Hitze der Esse und vielleicht in einem Baumstumpf geformt, vermutlich auf dem Amboss. Sie werden mit Hammerschlägen wie kleine Stücke einer Schüssel geformt. Dann verbinde ich die Stücke mit Nieten, zu einem ordentlichen Helm mit Krempe oder Schirm, der Nacken und Schultern vor den schrecklichen scharfen oder spitzen Waffen schützt, die den Träger von oben treffen können.

Wenn ich den Helm fertig geschmiedet habe, wird er von einem Schleifer bearbeitet. Durch Dokumente aus Bergen wissen wir, was es kostete, seinen Helm polieren zu lassen. Wir wissen auch, was es gekostet hat, den Helm innen mit einer Lederpolsterung auszustatten, damit er bequem auf dem Kopf saß. Vielleicht wird er auch in Gildenfarben lackiert? Wer kein einfacher, verschreckter Bauer, sondern Berufssoldat in den Diensten eines Adligen oder Königs war, trug sehr wahrscheinlich einen Helm, der in den Farben seines mächtigen Dienstherrn gestaltet war.

Publisert 14. mai 2024 13:25 - Sist endret 26. feb. 2025 13:27

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